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Wittgensteinpreis-Träger 1998 Univ. Prof. Dr. Georg Gottlob

Informationssysteme und künstliche Intelligenz TU Wien

Georg Gottlob ext

Institut für Informationssysteme ext

Georg Gottlob Research Interests ext

mail gottlob@dbai.tuwien.ac.at

LOGIK, AN DIE WIRKLICHKEIT ANGEPASST

Der Mathematiker und Computerspezialist Georg Gottlob untersucht die rechnerische Komplexität, die Optimierung von Entscheidungen beziehungsweise die Vermeidung folgenschwerer logischer Fehler. Ein Beispiel ist das Gebiet der Wissensrepräsentation. „Wie kann man", fragt Gottlob, „Wissen formal logisch, informatisch darstellen? Das inkludiert die Verarbeitung von Wissen, denn ich will damit ja etwas tun. Ich brauche also Algorithmen, die diesen Prozess darstellen können.”

Die klassische Aussagenlogik („Aus Nicht-B folgt …” und aufwärts) ist zu starr, um das Wissen einer handelnden Einheit (Mensch, Computer, Roboter) zu beschreiben. Sie ist „monoton”: Die Fakten und Regeln sind vorgegeben, und wenn neue Fakten dazukommen, ändert das nichts an ihrer Gültigkeit. „In der Praxis aber geht es anders zu, und dafür sind neue Logikformalismen nötig.”

Er interessiert sich für sie, seit er Mitte der Achtzigerjahre auf Stanford mit Gleichgesinnten auf das damals neue Gebiet gestossen ist. Ab 1986 lehrte und erforschte er an der Wiener TU Datenbanktheorie. Nicht um „gewöhnliche” Datenbanken geht es, sondern um solche, in denen man logische Regeln, Entscheidungsdiagramme etc. abspeichern und aufrufen kann. Damit lassen sich etwa Korrektheitsbeweise automatisch überprüfen. „Die Algorithmen dafür werden aber derart kompliziert, dass eine vollständige Überprüfung nicht mehr möglich ist.” Es gelte also, einen Kompromiss zwischen Machbarkeit und formaler Vollständigkeit zu finden. Und wie perfekt man sein will, hängt davon ab, ob man nur die Versuche einer Fliege simuliert, aus einem Zimmer zu entkommen („lokale Optimierungsphasen und Random-Phasen”), oder den industriellen Ablauf der Stahlproduktion bei Böhler in Kapfenberg. Oder ob man gar die extrem fehlerkritische Software für Raketensteuerung und AKW-Überwachung überprüft.

Der Wittgenstein-Preis 1998 bedeutete für Gottlob eine erfreulich flexible Möglichkeit, Mittel auf verschiedenen Ebenen einzusetzen: „Anstellung von jungen Wissenschaftlern, Stipendien an Studentinnen und Studenten – darunter vier der Universität Bratislava –, Anschaffung von Computern, Reisetätigkeit, Einladung von Spitzenforschern und die damit verbundene Anbahnung von Zusammenarbeit.” Eine Gastprofessur in Berkeley im Sommersemester 1999 wurde durch die Mittel erleichtert.

Aus den vielen veröffentlichten Forschungen nennt er als Beispiel die Untersuchungen über „Constraint Satisfaction Problems”: Stark vereinfacht ausgedrückt, gelten solche Probleme mit – Einschränkungen unterworfenen – Variablen als erfüllbar, wenn jeder Variablen ein Wert zugewiesen werden kann, ohne dass dadurch eine Einschränkung verletzt wird; Anwendungen reichen von Kreuzworträtseln bis zu industriellen Planungsaufgaben. Dem Team von Gottlob ist es gelungen, nachzuweisen, dass ein von ihnen entwickelter Lösungsansatz der Probleme effizienter funktioniert als vorher vorgeschlagene. „Die Probleme sind hochgradig parallelisierbar, können daher durch Parallelrechner schnell gelöst werden.” Auf die Vorstellung der Resultate folgte im Jänner 2001 ein Forschungsauftrag der Firma DaimlerChrysler, Programme zu erstellen, die Konfigurationsaufgaben in für die Autoindustrie relevanten Bereichen effizient lösen können.

Georg Gottlob