Wittgensteinpreis-Träger 1996 Univ. Prof. Dr. Erwin Wagner
Molekularbiologie, Institut für Molekulare Pathologie IMP
Spanish National Cancer Research Center (CNIO) 
VON DEN GEN - FUNKTIONEN ZUR THERAPIE
Den geradlinigen Weg eines Biochemie- plus Medizinstudiums hat der aus Wolfsberg im Lavanttal gebürtige Erwin Friedrich Wagner, Wittgenstein - Preisträger 1996, früh verlassen. Seine Entdeckerfreude hat ihn von Graz nach Berlin und Innsbruck, dann nach Philadelphia, nach Heidelberg und Ende 1988 nach Wien gebracht.
Er ist einer der Senior Scientists und Vizedirektor am Institut für Molekulare Pathologie (IMP), zuständig für Säugetiergenetik und Gentransferstudien am Mausmodell. Mit seinen MitarbeiterInnen erforscht er die Funktion bestimmter Gene für ein, auch krankhaft gesteigertes, Zellwachstum von Säugetieren. „Wir untersuchen mithilfe von Gentransferstudien in Embryos und embryonalen Stammzellen, was passiert, wenn wir sie genetisch verändern. Die eingeschleusten Zellen können Wachstum beziehungsweise Gen - Inaktivierung bewirken. Auf diese Weise lernen wir zu verstehen, durch welche der zirka 30 000 Gene einer Maus bestimmte physiologische und pathologische Entwicklungen beeinflusst werden.” Dahinter steht die Hoffnung, „neue Konzepte zur Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen zu entwickeln”.
Das IMP ist ein Forschungszentrum von Boehringer Ingelheim und wird, so Wagner, „als Modellfall einer informellen Kooperation zwischen Uni und Privatwirtschaft geführt”. Zusammen mit fünf Wiener Universitätsinstituten und Intercell bildet es das Vienna BioCenter. „Wir haben keine Lehrverpflichtungen und können uns zu 100 Prozent der Forschung widmen. Daraus ergibt sich ein gewisses Privileg. Aber daher dürfen wir andererseits nicht anmassend sein.”
Das Hauptproblem der modernen Biologie ist laut Wagner die Steuerung der Gene. „Warum ist das Gen A in Zelle X aktiv, aber nicht in Zelle Y? Um das zu verstehen, braucht man ein sehr gutes System, wo man Gene beliebig ein- und ausschalten kann. Wenn dann etwa ein Gen in einer Nervenzelle aktiv ist, und ich schalte es ab, und die Zelle bleibt normal, dann schliesse ich daraus, dass das Gen hier wahrscheinlich keine essenzielle Funktion hat.” Wenn die Versuchsmaus zehn Tage nach der Befruchtung stirbt, dann weiß er, dass das Gen essenziell war. „Auf diese Weise versuchen wir, Genveränderungen zu verstehen, und wollen die Basis für rationale Therapien liefern.”
Im Lauf einer Wissenschaftskarriere müsse man wissen, wie lange man sehr nah am Experiment sein kann. „Bei einem Mitarbeiterstab von 15 Leuten ist es schon ein wenig kontraproduktiv.” In den nächsten Jahren werde er sicher mehr ins Strategische überwechseln und den Einsatz von Personal und Projekten steuern.
Mit dem Wittgenstein - Preis konnte Erwin Wagner eine neue Forschungsgruppe am IMP etablieren. Unter der selbstständigen Leitung von Annette Neubueser werden entwicklungsbiologische Themen, im Speziellen das Problem der Ausbildung der Gesichtsstrukturen bei der Maus und im Huhn, analysiert. „Dieses Gebiet ist sonst in Österreich nicht vertreten und hat daher Vorzeigecharakter”, betont er die Chance, die sich durch die Dotierung ergeben hat. Erste Ergebnisse hinsichtlich der Aktivität, aber auch der Isolierung neuer Gene, welche die Gesichtsentwicklung steuern, liegen bereits vor.

Wittgensteinpreis TrägerInnen Club

























