Wittgensteinpreis TrägerInnen Club
Wittgenstein-Preisträger 2012: Thomas A. Henzinger, Präsident des IST Austria.
Wittgenstein-Preisträger 2012: Niyazi Serdar Sariçiftçi, Professor für Physikalische Chemie an der Johannes Kepler Universität Linz.
IMBA Institute of Molecular Biotechnology, Wien 
Jürgen Knoblich ist seit Anfang 2004 Senior Scientist am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und wurde Anfang 2005 zum stellvertretenden wissenschaftlichen Leiter des IMBA ernannt. Jürgen Knoblich, geboren 1963 in Memmingen (Bayern), arbeitet seit 1997 in Österreich. Nach seinem Studium der Biochemie an der Universität Tübingen und Molekularbiologie am University College London ging Jürgen Knoblich zunächst an das Max-Plack-Institut für Entwicklungsbiologie und wechselte 1990 an das Friedrich-Miescher-Labor der Max-Plack-Gesellschaft (beides in Tübingen). Von 1994 bis 1997 war er annähernd vier Jahre als EMBO- und Howard Hughes Medical Institute Post-Doc-Fellow an der University of California (San Fancisco) tätig. Im September 1997 kehrte er als Gruppenleiter an das Institut für Molekulare Pathologie (IMP) nach Europa zurück. Das IMP war seine wissenschaftliche Heimstätte bis Ende 2003.
Jürgen Knoblich beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Phänomen der asymmetrischen Zellteilung. Die Zellteilung (Mitose) wird allgemein als symmetrischer Prozess beschrieben, aus dem zwei Zellen mit im Wesentlichen identem Zellinhalt hervorgehen. Stammzellen jedoch teilen sich asymmetrisch, wobei eine Zelle Stammzelle bleibt während die andere sich spezialisiert und genau definierte Aufgaben im Organismus zu erfüllen hat. Wie die seit Jahren an sich bekannte asymmetrische Zellteilung in molekularer aber auch mechanischer Hinsicht bei Stammzellen abläuft, war hingegen unbekannt. Dieses Rätsel hat Jürgen Knoblich mit seiner weltweit anerkannten Arbeit gelöst. Anhand des Modellorganismus Drosophila melanogaster (die Fruchtfliege) zeigte Jürgen Knoblich konkret, wie Proteine mit der Bezeichnung "Numb" und "Brat" die asymmetrische Zellteilung auslösen und wie die Steuerungsmechanismen auf molekularer Ebene ablaufen. Von besonderer Bedeutung war dabei die Entdeckung, dass Gendefekte in Numb und Brat Stammzellen in sogenannte Tumorstammzellen verwandeln und zur Ausbildung von Tumoren im Fliegengehirn führen.
Jüngste Arbeiten von Jürgen Knoblich und seiner Gruppe an Mausmodellen legen den Schluss nahe, dass jene Erkenntnisse, die am Modellorganismus Drosophila melanogaster gewonnen wurden, wahrscheinlich für das gesamte Tierreich - insbesondere für höhere Lebewesen - von grosser Relevanz sind. Damit eröffnen sich neue Perspektiven im Bereich der Stammzellenbiologie im Allgemeinen und zukünftig möglicher medizinische Anwendungen, insbesondere im Bereich der Tumorforschung.