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Wittgensteinpreis-Träger 2011 Gerhard J. Herndl

Universität Wien, Microbial Oceanographyext

Marine Mikroorganismen...

Spezialgebiet Herndls sind die marinen Mikroorganismen und deren Rolle in den Ozeanen. Hier hat er essenzielle Beiträge zu einem besseren Verständnis etwa der Stoffwechselvorgänge der Tiefsee-Mikroorganismen und deren Rolle in den Stoffkreisläufen der Weltmeere geleistet. Beispielsweise hat er die Entstehung des Phänomens "Marine Snow" in der Oberen Adria geklärt, das im Zusammenhang mit Algenblüten auftritt. Das Preisgeld erlaube "einen gewissen Freiraum und ohne Geldmangel Forschung zu betreiben", sagte Herndl. Einerseits will er die Mittel für die kostspieligen Schiffseinsätze verwenden, andererseits für molekularbiologische Analysen der in den vergangenen Jahren gesammelten Proben. Eine spezielle Forschungsfrage hat Herndl auch: So wie pflanzliches Plankton in Oberflächengewässern Licht als Energiequelle verwendet, um organisches Material herzustellen, gelingt dies auch Mikroorganismen in der völligen Dunkelheit der Tiefsee. Als Energiequelle dazu nutzen sie statt Sonnenlicht etwa Ammonium, "aber das reicht bei weitem nicht aus, um das, was wir an organischer Kohlenstoffbildung messen, zu erklären", so Herndl, der sich auf die Suche nach den anderen Energiequellen machen will.

Geboren 1965 in St. Pölten, studierte Gerhard J. Herndl Zoologie und Botanik an der Universität Wien (Promotion 1982 in Zoologie) und arbeitete anschließend als Post-Doc an der Scripps Institution of Oceanography der University of California, San Diego. Nach seiner Habilitation 1993 an der Universität Wien war er bis 1997 in der Abteilung Meeresbiologie am Institut für Zoologie tätig. Danach lehrte und forschte er in den Niederlanden als Professor für Biologische Ozeanographie an der Universität Groningen und war Abteilungsleiter am Königlich Niederländischen Institut für Meeresforschung auf der Insel Texel (NL). 2006 erhielt Herndl den "Roland Wollast EurOceans Award for Excellence in Ocean Research".

Gerhard J. Herndl ist seit Oktober 2008 Professor für Meeresbiologie/aquatische Biologie an der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien; 2010 erhielt er für seine Forschungen über die mikrobielle Ökologie der Tiefsee den "ERC Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrates. Seit Jänner 2009 ist er darüber hinaus "Adjunct Senior Scientist" am Königlich Niederländischen Institut für Meeresforschung.

Mikrobielle Ozeanographie – Marine Biogeochemie

Herndl beschäftigt sich bereits seit mehr als 25 Jahren mit Fragen mikrobieller Meeresökologie und leistet dabei wesentliche Beiträge zu einem besseren Verständnis von mikrobiellen Vorgänge und Zusammenhängen in den Weltmeeren. Etwa forscht er zur Stoffwechselaktivität von Tiefsee-Mikroorganismen und deren Rolle in den Stoffkreisläufen der Meere – Prozesse, die von essenzieller Bedeutung für das Verstehen eines der größten Ökosysteme der Welt sind und deren Untersuchung nach Ereignissen wie "Fukushima" oder der Ölpest im Golf von Mexiko 2010 immer wichtiger wird. Ein besseres Verständnis des Ökosystems Meer trägt aber auch dazu bei, das Gesamtsystem Erde – etwa in Bezug auf das Thema Klimawandel – besser zu verstehen.

Diese komplexen Zusammenhänge und Fragestellungen verlangen einen ganzheitlichen Ansatz und eine Fülle methodischer Zugänge. Ziel von Gerhard Herndl und seinem Team ist es etwa, das bestehende Know-how in Bereichen wie Biogeochemie und mikrobieller Ozeanographie um Aspekte der Biotechnologie zu erweitern. "Wir wissen heute mehr über die Oberfläche des Mondes als über die Tiefsee. Daran möchte ich etwas ändern", erläutert Gerhard Herndl seine Forschungsziele: "Der Wittgenstein-Preis soll dazu beitragen, die unbekannte, dunkle Tiefsee und ihre zentrale Bedeutung – sowohl für die biogeochemischen Kreisläufe der sich im Wandel befindlichen Ozeane als auch für das Weltklima – besser zu verstehen."

Gerhard J. Herndl