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Wittgensteinpreis-Trägerin 2003 Univ. Prof. Dr. Renée Schroeder

Biochemie, RNA, Universität Wien

Renée Schroeder cv Scientific Career ext

Schroeder Lab ext

The RNA Chaperone Activity Website ext

Research Topics ext

mail renee.schroeder@univie.ac.at

IM OFFENSICHTLICHEN DAS VERBORGENE ERKENNEN

In ihrem Büro im Untergeschoss der Max Perutz Laboratorien hängt, postergross, eine Computercollage aus zahllosen winzigen Fotos. Nach Schattierungen zusammengesetzt, lassen sich Renée Schroeders Gesichtszüge erkennen. „Ein Geschenk meiner Gruppe zum 50. Geburtstag”, erklärt die Forscherin stolz. Die in Brasilien geborene Tochter von Luxemburger Eltern kam im Alter von 14 Jahren nach Österreich. 1993 habilitiert, ist sie eine international anerkannte Forscherin auf dem Gebiet der RNA. Sie hat das moderne Verständnis der Ribonucleinsäure, RNA, in entscheidenden Punkten mitgeprägt. Seit Jahren setzt sie sich massiv für das öffentliche Verständnis von Wissenschaft und, als Mentorin, für aufstrebende Biowissenschafterinnen ein. Sie ist Vizepräsidentin des Wissenschaftsfonds FWF.

Dessen ungeachtet musste sie bis zu ihrem 53. Lebensjahr, genau gesagt bis zum Weltfrauentag 2006, auf ihre Ernennung zur Universitätsprofessorin warten – zunächst auf zwei Jahre befristet. Entsprechend kritisch äussert sie sich über die universitären Strukturen und ist zugleich „dem FWF zutiefst dankbar, denn ohne ihn gäbe es mich nicht. Ich hatte meine beiden Buben in der Postdoc-Phase und fiel in ein fünfjähriges Publikationsloch. Danach schaffte ich mithilfe eines Schrödinger - Stipendiums den Wiedereinstieg. Das Peer-Review-System des FWF stellte mich in der Folge an meinen Platz. Damit gute Leute wirklich ihre Chancen bekommen, ist es wichtig, dass Leistungen international evaluiert werden, sonst muss man sich durch Nettigkeit hochdienen.”

Das Selbstbewusstsein als Frau, mit dem sie ihre Karriere verfolgt, projiziert sie auch auf ihr Forschungsgebiet, das „weiblich” anmutende RNA-Molekül: „Es ist rundlicher, flexibler, vielseitiger, aber auch instabiler als die DNA. Aber die RNA ist mindestens ebenso wichtig: Subtil steuert sie die Vorgänge im Zellkern und hält vieles nieder, das sonst explodieren würde – ein geradezu soziales Verhalten. Dagegen wurde bis vor kurzem viel zu viel in ihr Gegenstück, die DNA, hineininterpretiert. DNA ist die starre Speicherform der Erbinformation. Die aktive Information hat immer RNA-Form.”

Renée Schroeder steht nicht allein da mit ihrer Leidenschaft für „das Molekül des Lebens”. Hinter sich weiss sie die eng geknüpfte weltweite „RNA-Community”, die ihre wissenschaftliche Kollegialität entschlossen gegen wilden Konkurrenzgeist verteidigt. Ihren ersten, grossen Arbeitsbereich hat Renée Schroeder seit dem Wittgenstein-Preis abgeschlossen – im Wesentlichen die Frage, wie es der RNA gelingt, sich zu komplexen, dreidimensionalen Gebilden zu falten, um ihre Wechselwirkungen mit Antibiotika einzugehen. Aufgrund dieser Forschung setzt moderne Antibiotikaforschung heute bei der RNA der Zielbakterien an.

Als Nächstes will Schroeder Licht ins Wirken der RNA-Polymerase bringen, jenes Enzyms, das die Transkription von DNA und RNA bewerkstelligt. Der Wittgenstein - Preis gibt ihr „die Flexibilität, um risikoreichere und längerfristige Projekte kreativ zu verfolgen”. Besonders interessiert sie sich zurzeit für die sogenannte „Junk-DNA”, auch beim Menschen, von der sie vermutet, dass sie vor ihrer Stilllegung von der Polymerase aus RNA transkribiert werden muss. Auf ein Ziel will sie sich jedoch nicht festlegen:

„Man muss sich hüten zu sagen, in fünf, sechs Jahren will ich dort und dort sein! So finde ich ja nichts wirklich Neues. Ich will mit meiner Wahrnehmung so weit und offen sein, dass ich in unseren riesigen Datenmengen Dinge bemerke, die nicht ins Bild passen, denn da wird’s wirklich spannend.”

Renee Schroeder

 

rna

 

rna biology