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Wittgensteinpreis-Träger 2001 Univ. Prof. Dr. Heribert Hirt

Pflanzenmolekularbiologie, Department of Plant Molecular Biology, Universität Wien

Heribert Hirt Curriculum Vitae ext

Heribert Hirt Homepage ext

mail heribert.hirt@univie.ac.at

Plant Genomics and Beyond ext Conference 2009

October 2008

Heribert Hirt in European Molecular Biology Organization EMBO aufgenommen

Mitgliedschaft wird lebenslang an Wissenschafter, die "exzellente Forschung in den verschiedensten Bereichen der Molekularbiologie" betreiben, verliehen

Heribert Hirt wurde in die EMBO gewählt - insgesamt 59 neue Mitglieder gab die Organisation in Heidelberg bekannt. Die Mitgliedschaft wird lebenslang verliehen und erfolgt auf Vorschlag von bereits aufgenommenen Personen. Verliehen wird sie an jene, die "exzellente Forschung in den verschiedensten Bereichen der Molekularbiologie" betreiben. EMBO zählt derzeit 1.360 gewählte Mitglieder. Die Organisation wurde 1964 von 17 europäischen Ländern und Israel gegründet, um die Biowissenschaften in Europa zu fördern (heute 27 Mitgliedsstaaten).
EMBO Pressemeldung ext

 

TOMATEN FÜR DIE TUNDRA ODER DIE HOHE KUNST DER ANPASSUNG

Seine ersten fünf Lebensjahre verbrachte Heribert Hirt in Kashan, einem Städtchen 200 km südlich von Teheran. Anschliessend Schulzeit in Deutschland, Studium in Südafrika, wissenschaftliche Laufbahn in England, Holland und Österreich. Eine ideale Schule also, um die Anpassung an wechselnde Umstände zu erlernen. „Man erkennt, dass Dinge nicht nur so, sondern auch ganz anders funktionieren können.” Und so nimmt es nicht wunder, dass der Wittgenstein - Preisträger sich als Forscher die grössten Anpassungskünstler unter den Lebewesen vorgenommen hat – die Pflanzen. Als junger Molekularbiologe wirkte Hirt im Labor des späteren Nobelpreisträgers Sir Paul Nurse zunächst an Hefepilzen, doch bald begegnete ihm der ideale Modellorganismus in Gestalt der Arabidopsis – vulgo Ackerschmalwand –, einem in aller Welt verbreiteten Wegrand-Kräutlein mit winzigen Blüten, das sich aufgrund seiner großen Samenzahl leicht vermehren lässt und auch sonst über spezielle „genetische Schmankerln” verfügt.

In jahrelanger Forschungsarbeit entschlüsselte Hirt, der als Bub Detektiv werden wollte, jene genetischen Signale, die dafür sorgen, dass Pflanzenzellen sich teilen. Zusammen mit seinem Team im Max F. Perutz Labor im Wiener Biozentrum gelang es ihm, die ersten dafür verantwortlichen Steuerungsmoleküle zu isolieren. Für diese Leistung gab es 2001 den „österreichischen Nobelpreis”.

Hirts private Interessen runden das Bild ab: Reisen, Wandern, Puzzles, alte Schriften und die Kryptografie. „Da gibt es eine faszinierende Analogie zum DNA-Code, wo die komplexesten Anweisungen mit nur vier Buchstaben geschrieben sind!” Nach einem Urlaub auf Kreta war er entschlossen, die Schrift auf dem Diskus von Festos zu entschlüsseln – „leider vergeblich”, wie er schmunzelnd gesteht.

Wenn er unterwegs ist, beobachtet der von „Tausenden Freunden auf allen Kontinenten” kurz Heri Hirt genannte Genetiker, wie genial Pflanzen sich an unterschiedlichste Umweltbedingungen anpassen. „Sie können nicht fliehen. Deshalb mussten sie lernen, mit grossen Temperaturunterschieden zurechtzukommen, Frassfeinde abzuwehren, und sie beherrschen die Kunst, sich aus dem Sonnenlicht Primärenergie zu holen. Gemessen am Können, sind Pflanzen den Tieren, auch dem Menschen, weit überlegen. Als Krone der Schöpfung sind wir höchst fragwürdig!”

Zumal die selbst ernannte Schöpfungskrone soeben im Begriff ist, mit dem Klimawandel das „grösste Experiment aller Zeiten durchzuführen”. Die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen wird dadurch nur noch interessanter. Die Zukunftsvision: „Das kälteempfindliche Obst und Gemüse, das wir so gern essen, mit der Frosthärte nördlicher Gewächse auszustatten.” Entsprechend erforscht Heri Hirt nun die genetischen Prozesse, über die Pflanzen mit ihrer Umwelt kommunizieren: „Wie funktionieren die Sensoren, die einer Pflanze sagen, dass sich die Umweltbedingungen verändern, und wie übersetzt sich diese Information in die physiologische Anpassung?”

Die Antworten zeigen mittlerweile, dass solche „erlernten” Anpassungsmechanismen von den Proteinen in der „Verpackung” der DNA gesteuert und erstaunlicherweise vererbt werden. „Bei der Arabidopsis haben wir bereits den molekularen Schalter gefunden, der die Pflanze befähigt, auf ihre angeborene Kälteakklimierung zu verzichten und übergangslos Frost auszuhalten.” Ein zukunftsweisender Schritt, den erst der Wittgenstein - Preis ermöglicht hat: „Ohne den Preis hätten wir diese Forschungsrichtung nicht verfolgen können. Die Ideen schienen einfach zu riskant und ein entsprechendes Projekt wurde damals abgelehnt!”

Heribert Hirt

 

plant genomics and beyond conference 2009

Plant Responses to Abiotic Stress

MAP Kinases in Plant Signal Transduction